Politcamp, Tag eins
Wie einige Menschen vielleicht mitbekommen haben, findet dieses Wochenende in Berlin das zehnte zweite Politcamp statt. Laut Homepage soll hier ein Rahmen geschaffen werden, in dem “überparteilich und konstruktiv über netzpolitische Themen” diskutiert werden kann. Auf der Tagesordnung stehen also “Sessions” beispielsweise zu den Themen Onlinepartizipation, Netzsperren oder Onlinewahlkampf.
Interessant ist auch, dass die Veranstaltung den Charakter eines “BarCamps” haben soll, was meiner Meinung nach bestenfalls teilweise zutrifft.
Das spannende am Konzept “BarCamp” ist eigentlich, dass Form und Inhalt der Veranstaltungen von den Teilnehmenden bestimmt und geleitet wird. Die einzelnen “Sessions” werden am Tag des Barcamps von den Anbietern vorgestellt und das Plenum entscheidet dann, welche Sessions stattfinden können. Beim PolitCamp ist dies nur eingeschränkt gegeben. So werden zwar eine Reihe von Sessions tatsächlich am morgen vom Plenum bestimmt, bestimmte Veranstaltungen sind aber von vorherein gesetzt. Dies mag aus Sicht der Veranstalter Sinn machen, da man so auch prominentere Politiker, wie zum Beispiel Familienminsterin Schröder, einladen kann und den Ablauf planbarer macht. Auf der anderen Seite widerspricht so ein Ansatz dem Konzept des BarCamps völlig.
Mein Fazit nach dem ersten Tag:
Die Qualität der angebotenen Sessions variiert sehr stark und steht und fällt mit den ReferentInnen, aber auch mit den Gästen, die auf dem Podium sitzen. Ich finde es schade, dass man von den VertreterInnen der politischen Parteien nicht viel mehr hört als die übliche Wahlkampfrethorik.
Es war schon fast witzig anzusehen, wie Frau Köhler Schröder oder Burkhard Müller-Sönksen von der FDP versuchten, sich bei der Netzgemeinde einzuschleimen und dabei gerne haarscharf an den richtigen Formulierungen vorbeischlidderten.
Sehr amüsant war in diesem Zusammenhang die Twitterwall, welche leicht zeitversetzt an eine Leinwand hinter dem Podium gebeamt wurde und auf der das Gesprochene sofort kommentiert wurde. So konnte ich also meine eigenen Tweets bzw Kommentare auf der großen Leinwand lesen.
Fazit Tag 1: Inhaltlich eher mau, aber das “Drumherum” macht vieles wett. Es ist fasznierend, den Menschen, die man sonst nur von twitter oder facebook kennt, nun auch “im reallife” gegenüber zu stehen und normal mit ihnen zu reden. Da können Sätze wie “Wir folgen uns” eine ganz neue Bedeutung bekommen…Zum Kontakte knüpfen bzw zum Auffrischen eben dieser ist das PolitCamp super und die Redebeiträge mancher Politiker bieten genug Möglichkeiten zu Hohn und Spott in der geselligen Runde.
Außerdem finde ich es spannend zu sehen, welche Bedeutung ein Smartphone und das Nutzen verschiedener Kommunikationsformen in der Netzwelt haben. Fast jeder hat hier einen Mac, ein schickes Internethandy und benutzt twitter und diverese andere Kommunikationsmedien mit großer Selbstverständlichkeit.
Was allerdings noch stark verbesserungswürdig ist: Die Verpflegung im Radialsystem, welches als Veranstaltungsort sonst super ist. Aber so schlechte Brezeln für 1,50 Euro habe ich zuletzt in den Zügen der DB AG gegessen -und das will echt was heißen.
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