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Archive for the ‘Politik’ Category

just another Stuttgart 21-post

Genauer gesagt verbringe ich viel Zeit an einem Bauzaun an einem Bahnhof.
In Stuttgart spielen sich ja nunmehr seit Wochen unglaubliche Szenen ab, die mittlerweile neben der regionalen Presse auch sämtliche überregionalen Medien beschäftigen. FAZ, Zeit, tagesschau und Spiegel werden nicht müde, über den “Schwabenaufstand”, Montagsdemos und Kopfbahnhöfe zu berichten.
Der Bauzaun, der seit einigen Wochen am Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofes errichtet wurde, ist zum beliebten Touristenziel geworden. Ebenso lässt sich hier vorzüglich abends Bier trinken und dem Treiben zusehen. Der Zaun ist in den letzten Wochen quasi zum Kunstwerk geworden und eine Kollegin, mit der ich heute die Mittagspause dort verbracht habe, meinte “der steht dann irgendwann mal in einem Demokratie-Museum oder so.” Hoffentlich als Beispiel dafür, dass protestieren und “dagegen sein” tatsächlich ab und an auch mal etwas bringt. Ein paar Fotos aus den letzten Tagen am Zaun gibt es hier zu sehen:

bauzaun_eins

Bürger_innentelefon

adbusting

s_21 005

gruppenbild  mit bagger

August 012

Professionellere Videos und Bilder findet ihr hier:

http://www.youtube.com/jvstaudach
http://www.youtube.com/user/AlvarFreude
Schweigemarsch

BTW: ich twittere unter www.twitter.com/habichthorn auch gerne mal von den Demos, so ich denn selbst dabei bin. Unter dem hashtag #S21 gibts eigentlich auch immer was dazu zu lesen.

Ansonsten schlagen Sie einfach eine X-Beliebige Tageszeitung auf. Aber vielleicht nicht gerade die Stuttgarter Zeitung, die glänzt nicht gerade mit objektiver Berichterstattung…

4 Tage Kalkscheune oder re:publica10

Von Dienstag bis Samstag Abend verbrachte ich sehr viel Zeit zwischen Kalkscheune und Friedrichsstadtpalast. Meine erste re:publica – und das gleich noch als ehrenamtliche Helferin.

Das Abendteuer begann am Dienstagabend, als ich mich zum offiziellen HelferInnentreffen in der Kalkscheune einfand.
Was folgte waren 4 Tage und Nächte, in denen ich viel zu wenig schlief, mich überwiegend von ColaLight und Brezeln ernährte und meinen Lebensmittelpunkt kurzzeitig in die Kalkscheune verlegte. Bei meiner Familie und meinen “Offline”-Freunden hatte ich mich vorsorglich für die nächsten Tage abgemeldet, um mich für ein paar Tage dem hemmunglosen Smartphonenutzen hinzugeben. Schließlich war ich hier umgeben von lauter Menschen, die überhaupt nichts dabei finden, wenn man in einem Gespräch mehrmals auf sein mobiles Endgerät linst und bei Veranstaltungen permanent twitter und facebook im Blick hat. So gesehen habe ich mich in den letzten Tagen extrem wohlgefühlt. Auf der anderen Seite fühlte ich mich schon ein wenig abgeschnitten von der Welt außerhalb meiner virtuellen sozialen Netzwerke.

Aber der Reihe nach:

Der Dienstag begann mit besagter HelferInnen-Einführung, die recht kurz ausfiel. Danach hieß es dann, 2 Stunden lang die Namensschilder von 2500 Gästen in Plastikhüllen zu friemeln. Danach hatte ich leichte Handschmerzen. Um 23 Uhr hiess es dann: Taschen packen. Das Ganze ging für mich bis halb eins, andere tapfere Seelen arbeiteten noch bis kurz nach ein Uhr nachts daran, dass am nächsten Tag alles für die zahlenden Gäste, Speaker und Journalisten bereit war.
Ich kann mich nicht daran erinnern, mich jemals so sehr über eine fettige Pizza nachts um 12 gefreut zu haben…

Am nächsten Morgen fand ich mich dann wieder im Friedrichsstadtpalast ein, um mein hübsches Helfershirt und das entscheidende lila Armband in Empfang zu nehmen, welches mir für die nächsten Tage die Grundversorgung an Cola, Kaffee und Brezn sicherte (Fotos davon gibt es, sobald mein Telefon aufhört rumzuzicken).
Danach dann die Session von und mit Jeff Jarvis, über die andere Menschen schon wahrlich genug geschrieben haben…
Anschließend dann arbeiten und später dann noch weitere spannende Sessions.

Der Donnerstag stand dann ganz im Zeichen der Arbeit. Meine Aufgaben gestalteten sich zum Glück aber sehr entspannt – Sponsorenbetreuung kann manchmal echt nett sein.

Der Freitag war dann mein persönlicher re:publica – Tag, an dem ich mir auch einige spannende Sessions ansehen konnte.
Trotzdem bleibt für mich der Eindruck, dass viele Diskussionen nicht wirklich in die Tiefe gingen oder nur kurz andiskutiert werden konnten. Von den Problemen, die im Chat zu bestimmten Veranstaltungen auftauchten, habe ich erst im Nachhinein durch die Berichterstattung erfahren. Außerordentlich irritiert, welch triggernde Wirkung feministische Themen immernoch haben. Zeigt meiner Meinung nach auch nur, welch weiten Weg wir da noch zu gehen haben…

Für mich war die re:publica in erster Linie ein Zusammentreffen von wieauchimmer netzaffinen Menschen – die ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung findet wohl eher am Rande solche Großveranstaltungen oder abseits davon statt. Leider habe ich es wegen Ermüdung nicht zum Treffen der “Girls on Websociety” – iniziert von der großartigen Mädchenmannschaft – geschafft – ein Umstand, der mich im Nachhinein verärgert. Aber man kann halt auch nicht alles mitnehmen und irgendwann siegt dann auch der Menschen-Overkill.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der re:campaign – aber davon dann morgen. oder so.

Netzwelt trifft Politikwelt und man redet drüber

Politcamp, zweiter Streich

Gerade eben ging es zuende, das (wie ich gestern von @meselfandi lernen durfte) zweite Politcamp in Berlin.

Was bleibt davon – mal abgesehen von den fiesen Kopfschmerzen, die mich dank schummriger Kellerkindbeleuchtung in der großen Halle plagen?

Da muss man wohl zwei Sachen voneinander trennen: Wie war das PolitCamp auf der persönlichen Ebene und was ist auf inhaltlicher Ebene hängen geblieben?

1. Das Politcamp und ich

Spätestens am Nachmittag des heutigen zweiten Tages stellte sich eine Familien- bis Kindergartenatmosphäre ein. Getrieben durch Schlafmangel, schlechte Luft und akuter Überinformation wurden die Gespräche immer alberner und lustiger. Man unterhält sich via Twitter über die schwindenden Bananenvorräte, befreundet sich wie wild auf Facebook und die Witze wurden immer skuriler. Für große Erheitung sorgten die wilden Diskussion bzw Zwischen”rufe” auf der Twitterwall – hier nachzulesen.
Sowas mag ich, sowas tue ich mir auch gerne öfter an.
Ansonsten, Hände schütteln, neue Kontakte knüpfen, die Gesichter hinter dem Twitteraccount kennenlernen.
Fazit zu diesem Teil: Ich würde es sofort wieder tun. Und nächstes Mal bring ich auch mehr von den Bananen mit.

2. Die inhaltliche Diskussion

Inhaltlich hat sich die Befürchtung von gestern heute bewahrheitet. Es wurde zwar viel diskutiert und geredet auf den Veranstaltungen in der Halle, aber die wirklich kniffligen Fragen wurden von den Politikern (argh – wie ich solche Verallgemeinerungen hasse) nur ausweichend beantwortet.

Zudem verfestigt sich nach dem Wochenende mehr und mehr der Eindruck, dass Politik und Netzwelt auf zwei vollkommen verschiedenen Ebenen diskutuieren. Die einen reden über technische Möglichkeiten, Programme und Tools und die anderen versuchen noch immer, ihren Fraktionskollegen zu erklären, was eine email ist – um es mal überspitzt zu formulieren.
Ich kann mich an dieser Stelle nur @franziskaheine anschliessen, die betont hat, dass zwar ein Prozess ins Rollen gekommen sei, – gerade im Bezug auf die Entwicklungen in der Netzsperrendebatte – dieser aber nun am Leben erhalten und tatsächlich mit Taten unterfüttert werden muss. Hier bin ich gespannt, ob es den “Netzspezialisten” innerhalb der Parteien gelingen wird, die entscheidenden Akzente zu setzen.

Zum PolitCamp selbst:

Ich war noch nie auf einem BarCamp – aber von meinem Gefühl her war das PolitCamp ein stinknormaler Kongress, zu dem man sowohl Politiker als auch “Experten” des jeweiligen Themengebietes einlädt. Sicher, es gab zwar die Möglichkeit, spontan eigene Sessions anzubieten, aber die Mischung zwischen dieser Selbstbestimmung und den geplanten Foren hat meiner Meinung nach nicht gut funktioniert. Vielleicht kann man da beim nächsten Mal noch etwas am Konzept feilen?

Die Berichterstattung auf den wichtigsten Nachrichtenhomepages ist diesmal ziemlich prominent ausgefallen – Liegt das am Mangel interessanter Alternativen? Oder an der Anwesenheit der politischen Prominenz? Oder sind Netzthemen mittlerweile im mainstream angekommen?

Berichte finden sich zum Beispiel bei

Spiegel Online oder bei heise online

interessante Blogbeiträge reiche ich gerne im Laufe der nächsten Tage nach.

Das Web 2.0 und ich

Politcamp, Tag eins

Wie einige Menschen vielleicht mitbekommen haben, findet dieses Wochenende in Berlin das zehnte zweite Politcamp statt. Laut Homepage soll hier ein Rahmen geschaffen werden, in dem “überparteilich und konstruktiv über netzpolitische Themen” diskutiert werden kann. Auf der Tagesordnung stehen also “Sessions” beispielsweise zu den Themen Onlinepartizipation, Netzsperren oder Onlinewahlkampf.

Interessant ist auch, dass die Veranstaltung den Charakter eines “BarCamps” haben soll, was meiner Meinung nach bestenfalls teilweise zutrifft.
Das spannende am Konzept “BarCamp” ist eigentlich, dass Form und Inhalt der Veranstaltungen von den Teilnehmenden bestimmt und geleitet wird. Die einzelnen “Sessions” werden am Tag des Barcamps von den Anbietern vorgestellt und das Plenum entscheidet dann, welche Sessions stattfinden können. Beim PolitCamp ist dies nur eingeschränkt gegeben. So werden zwar eine Reihe von Sessions tatsächlich am morgen vom Plenum bestimmt, bestimmte Veranstaltungen sind aber von vorherein gesetzt. Dies mag aus Sicht der Veranstalter Sinn machen, da man so auch prominentere Politiker, wie zum Beispiel Familienminsterin Schröder, einladen kann und den Ablauf planbarer macht. Auf der anderen Seite widerspricht so ein Ansatz dem Konzept des BarCamps völlig.

Mein Fazit nach dem ersten Tag:

Die Qualität der angebotenen Sessions variiert sehr stark und steht und fällt mit den ReferentInnen, aber auch mit den Gästen, die auf dem Podium sitzen. Ich finde es schade, dass man von den VertreterInnen der politischen Parteien nicht viel mehr hört als die übliche Wahlkampfrethorik.
Es war schon fast witzig anzusehen, wie Frau Köhler Schröder oder Burkhard Müller-Sönksen von der FDP versuchten, sich bei der Netzgemeinde einzuschleimen und dabei gerne haarscharf an den richtigen Formulierungen vorbeischlidderten.

Sehr amüsant war in diesem Zusammenhang die Twitterwall, welche leicht zeitversetzt an eine Leinwand hinter dem Podium gebeamt wurde und auf der das Gesprochene sofort kommentiert wurde. So konnte ich also meine eigenen Tweets bzw Kommentare auf der großen Leinwand lesen.

Fazit Tag 1: Inhaltlich eher mau, aber das “Drumherum” macht vieles wett. Es ist fasznierend, den Menschen, die man sonst nur von twitter oder facebook kennt, nun auch “im reallife” gegenüber zu stehen und normal mit ihnen zu reden. Da können Sätze wie “Wir folgen uns” eine ganz neue Bedeutung bekommen…Zum Kontakte knüpfen bzw zum Auffrischen eben dieser ist das PolitCamp super und die Redebeiträge mancher Politiker bieten genug Möglichkeiten zu Hohn und Spott in der geselligen Runde.

Außerdem finde ich es spannend zu sehen, welche Bedeutung ein Smartphone und das Nutzen verschiedener Kommunikationsformen in der Netzwelt haben. Fast jeder hat hier einen Mac, ein schickes Internethandy und benutzt twitter und diverese andere Kommunikationsmedien mit großer Selbstverständlichkeit.

Was allerdings noch stark verbesserungswürdig ist: Die Verpflegung im Radialsystem, welches als Veranstaltungsort sonst super ist. Aber so schlechte Brezeln für 1,50 Euro habe ich zuletzt in den Zügen der DB AG gegessen -und das will echt was heißen.

der Tag, an dem ich die Merkel tanzte…

heute morgen begann mein Tag ungewöhnlich früh (jedenfalls für meine Verhältnisse).

Bereits zur quasi-nachtschlafenden Zeit von 9 Uhr (war geplant, leider traf ich wegen des immer wieder akuten Berliner S-Bahn-fails erst um 9.30Uhr ein) traf man sich vor dem offiziellen Sitz der Kanzlerin, auch unter dem Namen Kanzleramt bekannt. “Man” waren in diesem Fall einige AktivistInnen, die unter dem Deckmantel von campact und ausgestrahlt gegen die am heutigen 21.01. beginnenden Sondierungsgespräche zwischen Atomlobby und Bundesregierung demonstrierten.
Geplant war von campacts Seite ein Tanz der 4 Kernenergieriesen e.on, vattenfall, rwe und EnBW mit der selbst ernannten “Klimakanzlerin” Angela Merkel. Mir viel in diesem reizenden Ballet eine ganz besondere Rolle zu: Bekleidet mit einer ungefähr paukengroßen Maske hatte ich die Ehre, die Merkel zu tanzen. Bei gefühlten minus 20 und realen minus 10 Grad keine leichte Aufgabe…
Sowohl die Presseresonanz als auch die Zahl der AktivistInnen, die es trotz der schon mehrmals erwähnten unfassbar kalten minus 10 Grad zum zugigen Platz vor dem Kanzlerinnenamt schafften, geben campact und der Aktion allerdings recht.
Und so komme ich heute zur zweifelhaften Ehre, sowohl in der 20 Uhr tagesschau als auch in der 19 Uhr Sendung von heute zu sehen zu sein.
Mal sehen, in welchen Printmedien ich mich morgen dann wiederfinden werde. Man darf gespannt sein.

Hier der link zur Tagesschau: http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts17186.html

Hier der link zu heute: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/951398/ZDF-heute-Sendung-vom-21-Januar-2010/

Fotos gibt es zum Beispiel hier.

Ich muss allerdings sagen, dass die Merkelmaske, so gut sie auf den Bildern auch wirkt, extrem unbequem zu tragen war. Man sieht nahezu nichts und kann sich kaum bewegen, da die Konstruktion äußerst wackelig ist, um es mal vorsichtig auszudrücken. Zudem dann die recht kleine Bühne. Ich hatte ständig die recht irrationale Angst, vom Podest zu fallen, da ich meine eigenen Füsse nicht sah. Zudem konnte ich ohne helfende Hände nahezu keinen Schritt tun. Nach über einer halben Stunde war ich nervlich ziemlich durch und sehr froh, dass ich die Maske absetzen konnte und zuhause sowohl eine heiße Dusche als auch eine große Portion warmer Griesbrei auf mich warteten.

Es war einmal in Kopenhagen…

Am gestrigen Samstag versammelten sich 50.000 – 100.000 Menschen (die Schätzungen gehen wie immer recht weit auseinander) im sonnigen und winterlich-schönen Kopenhagen, um anlässlich der COP ihren Unmut kundzutun und die Regierungschefs dieser unseren Welt zum Handeln zu bewegen.

Ich war eine von ihnen. Hier also ein vollkommen subjektiver Überblick über mein Demo-Wochenende:

Der Beweis!

Der Beweis!

1. Hinfahrt

Was ich nicht empfehlen kann: Nachts um 4 eine Stunde am Hamburger ZOB stehen. Es war recht kalt und ich wurde von einigen merkwürdigen Gestalten angesprochen. Nach einiger Zeit sprach ich einen “grün aussehenden” Menschen mit großen Kopfhörern an, der sich tatsächlich als wartender Grüner herausstellte – was ein Zufall. Also warteten wir gemeinsam. Nach und nach kamen mehr und mehr Menschlein hinzu und so froren wir zusammen.

Um Viertel nach Fünf, eine Stunde, nachdem ich am ZOB angekommen war, fuhr ein Bus vor und ein fröhlich winkender Jan Philipp Albrecht sprang heraus. Die Reise konnte also losgehen. Bis zur dänischen Grenze schaffte ich es sogar, ein bißchen zu schlafen. Auf der Fähre nach Dänemark gabs dann nen wirklich großen Kaffee und ich war halbwegs wach.

Besonders schön war es, als Jan uns die letzten Stunden nach Kopenhagen mit einer CD voller Klimaschutz-Lieder erfreute, die er geschenkt bekommen hatte. Irgendwie schaffte ich es sogar, währenddessen einzuschlafen, ein Anhaltspunkt dafür, wie unfassbar müde ich gewesen sein muss.

Entgegen unserer Befürchtungen wurden wir übrigens überhaupt nicht kontrolliert – weder an der dänischen Grenze noch während der Einfahrt nach Kopenhagen. Dabei hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn jemand Jans CD konfisziert hätte. ^^

2. Kopenhagen

Um halb elf schmiss uns die Busfahrerin direkt am Tivoli aus dem Gefährt. Unsere Gruppe machte sich sogleich auf den Weg in Kopenhagens Innenstadt, wo gerade die “Human Flood“- Aktion von FoE stattfand. Bei herrlichem Sonnenschein konnte man sich über Teilnehmermangel nicht beklagen. Unsere Gruppe teilte sich in Untergruppen auf, meine ging praktischerweise erstmal einen heißen Kakao trinken. Unbedingt nötig bei winterlichen Temperaturen und SEHR lecker. Allerdings auch recht teuer. Dafür mit formidablen Schokokeksen als Beigabe.

wärmt

wärmt

3. Die Demo

Gegen Mittag ging es dann langsam richtig los. Immer mehr Demo-Teilnehmer versammelten auf dem Platz, an dem der Zug starten sollte. Irgendwann verlor ich in der Menge den Überblick, glücklicherweise konnte man sich aber an den zahlreichen Fahnen und Flaggen orientieren. Ich wühlte mich also vor zum “grünen Block”, wo ich dann auch bis zum Ende der Demo blieb.

man sammelt sich

man sammelt sich

Bevor der Protestzug losgehen konnte, mussten erstmal sehr viele Reden gehalten werden. Währenddessen standen wir Demo-Teilnehmer etwas dumm in der Kälte herum und froren durch. Ein oder zwei Ansprachen weniger wären auch voll ok gewesen. Aber nun denn. So hatten Nachzügler halt noch eine Stunde länger Zeit, sich am Startpunkt einzufinden. Nach Ende der Reden wurden nacheinander die teilnehmenden Organisationen dazu aufgefordert, sich in Bewegung zu setzen. So marschierten wir also in “Blöcken” hintereinander weg. Bei strahlendem Sonnenschein ging es an den Sehenswürdigkeiten der dänischen Hauptstadt vorbei insgesamt 6 km hin zum Konferenzcenter. Auch hier hätte es durchaus der ein oder andere Kilometer weniger sein können. Während des ca. 3-stündigen Marsches wurde es dann dunkel und dementsprechend noch kälter.

einmal quer durch Kopenhagen

einmal quer durch Kopenhagen

Die Demo selbst war sehr spaßig. Ich habe weit weniger gefroren, als ich befürchtet hatte. Anscheinend hatte ich die richtige Anzahl von Schichten angezogen. Von den Ausschreitungen und Festnahmen habe ich gar nichts  mitbekommen, erst später beim Abendessen, als in der Pizzeria unserer Wahl ein dänischer Newssender darüber berichtete. “Unser” Block war von all dem anscheinend weit weg, friedlich und guter Stimmung.

Nach dem Ende des Demo-Zuges sollte es eigentlich noch eine Abschlusskundgebung geben, der ich allerdings nicht mehr beiwohnte. Hunger und der Wunsch nach einem Sitzplatz waren einfach stärker. Da wir auf keinen Fall auf die überfüllte Metro am überfüllten Bahnhof warten wollten, beschlossen wir, eine Bushaltestelle zu suchen. Nach einem etwas längeren Fussmarsch fanden wir auch eine, leider fuhr der angekündigte Bus nicht, sodass wir noch einige Zeit durch die eisige Kälte laufen mussten, um zur nächsten Metrostation zu gelangen. Mein Dank gilt an dieser Stelle D., ohne seinen Stadtplan wären wir wirklich verloren gewesen.

4. Die Rückfahrt

Nach der lang ersehnten Essensaufnahme (so viel Spaß hat Junk-Food-Essen auch schon lange nicht mehr gemacht) ging es für meine “Bezugsgruppe” zurück ins Hostel – für mich ging es direkt zum Kopenhagener Hauptbahnhof, da wir um halb neun die Rückfahrt nach Hamburg antreten wollten. Bis wir dann tatsächlich loskamen, dauerte es noch einige Zeit, da wir noch auf Nachzügler warten mussten. Völlig erschöpft und gerädert kam der Bus um 3.20 Uhr in Hamburg an, ich wollte nur noch in mein Bett. Die Fahrt war körperlich wirklich sehr anstrengend, wenig Schlaf macht sich halt doch bemerkbar. Die Demo an sich, die Menschen, die ich kennengelernt und wieder getroffen habe und nicht zuletzt die Schönheit der Stadt Kopenhagen machen aber vieles wieder wett.

Fazit:

Ich würde es jederzeit wieder tun.

Auch wenn ich nicht glaube, dass unser Protest irgendetwas für die Verhandlungen bewirkt hat, so glaube ich doch, dass es wichtig und richtig ist, sich auch mit solchen Aktionen für den Kampf gegen den Klimawandel einzusetzen.

Und ich weiß jetzt auch, dass ich unbedingt noch mal “in Ruhe” nach Kopenhagen muss, die Stadt ist wirklich tarumhaft schön.

Wintersonne

Wintersonne

Kreuzberg liegt in Kopenhagen

Kreuzberg liegt in Kopenhagen

Für alle, die an inhaltlichen Informationen zur COP und an den Hintergründen der Demo interessiert sind: hier und hier gibts mehr zum Thema

Weitere Fotos findet man unter anderem hier .

Sehr gut auch der Demo-Ticker der taz.

Von Weihnachtsmännern, Palmen, Eisbären und Engeln

Wie bereits in diesem Blog angekündigt, fand am gestrigen Samstag unsere nette kleine Aktion zum Klimaaktionstag statt.

Wider Erwarten und entgegen meiner Befürchtungen war es gar nicht so kalt (also zumindest ich habe in meinem Kostüm nicht gefroren). Mir hat es jedenfalls extrem viel Spaß gemacht, im Eisbärenkostüm am Alex rumzustehen und faxen zu machen. Hätte ich vorher auch nich so gedacht. Ich würde das auf jeden Fall wieder tun.

Ob die ganze Aktion etwas gebracht hat, vermag ich nicht zu beurteilen, aber es sind auf jeden Fall viele Menschen stehengeblieben, haben am Glücksrad gedreht und sich von uns (bzw. von meinen wackeren MitstreiterInnen – ich konnte ja nicht sprechen in meinem Kostüm) Fakten zum Klimawandel und Energiespartips erzählen lassen.

Hier noch ein paar Impressionen, die mir Kati netterweise zur Verfügung gestellt hat:

Weihnachten unter Palmen

Weihnachten unter Palmen

der Beweis

der Beweis

Eisbär und Weihnachtsmann

Eisbär und Weihnachtsmann beim posen

ich möchte ein Eisbär sein, im kalten Polar.

ich möchte ein Eisbär sein, im kalten Polar.

morgen muss ich das Kostüm leider zurückbringen…

Auf nach Kopenhagen

Im schönen Kopenhagen findet  vom 07- bis zum 18. Dezember die UN-Klimakonferenz statt. Die Regierungen der Länder der Welt treffen sich, um ein internationales Klimaschutzabkommen auszuhandeln. Dieses soll auf das Kyoto-Protokoll folgen, welches im Jahr 2012 auslaufen wird.

Im Vorfeld der Kopenhagen-Konferenz mehren sich die Zweifel, dass es gelingen wird, sich überhaupt auf verbindliche Ziele zur Treibhausgasminderung zu einigen.

Zahlreiche Umweltschutzorganisationen, NGOs und andere zivilgesellschaftliche Akteure werden im Vorfeld des Gipfels und vor Ort in Kopenhagen versuchen, mit Aktionen, Gegengipfeln und Demonstrationen öffentlichen Druck auf die Regierungen zu erzeugen.

Um nur einige Beispiele zu nennen:

Die Klimapiraten stechen mit zwei Schiffen von Greifswald aus in See, um über die Ostsee nach Kopenhagen zu schippern.

Die NGO-Szene hat für den 12. Dezember einen “global day of action” ausgerufen. AktivistInnen aus aller Herren Länder werden an diesem Tag in Koppenhagen erwartet. Weitere Informationen hierzu unter: http://12dec09.dk/content/english oder auf der Seite der Klimaallianz

Besonders ans Herz legen möchte ich der geneigten Leserschaft an dieser Stelle den Aufruf des BUND. Wer live und in Farbe in Kopenhagen vor Ort sein möchte, melde sich bei mir oder konsultiere die Bus-Börse des BUND.

Wir sehen uns in Kopenhagen!

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Bildungsstreik

Seit einiger Zeit werden Universitäten in ganz Deutschland und Österreich bestreikt. Ich finde dies eine ziemlich gute Idee und kann nur allen raten, sich zumindest mit den Forderungen der Studierenden auseinanderzusetzen und sich selbst eine Meinung zu bilden.

Auf www.unsereunis.de kann man sich darüber informieren, welche Uni bestreikt wird und welche kreativen Aktionen aktuell durchgeführt und geplant werden. Vorallem erfährt man dort auch, wo noch besonders dringend Unterstützung benötigt wird.

Besonders freut es mich, dass es auch an meiner alten Uni, nämlich der Westfälischen Wilhelms-Universität im beschaulichen und hübschen Städtchen Münster, einige Aktionen gibt bzw. gegeben hat. Näheres hierzu ebenfalls auf der oben bereits erwähnten Seite.

Des Weiteren finde ich es ziemlich spannend, wie sich der Protest der Studierenden über die modernen Kommunikationsmittel Twitter und facebook verbreitet und organisiert hat. Über den hashtag #unibrennt konnte man sich schon von Anfang an über die Proteste in Österreich informieren und auch bei facebook gibt es entsprechend aktive Gruppen.

Beim heutigen bundesweiten Aktionstag gingen zahlreiche Schüler und Studierende auf die Straße, in Berlin laut Poliziangaben bis zu 6000.  Fotos gibt es unter anderem hier zu sehen.

Ich für meinen Teil hoffe, das die Proteste der Studierenden nicht verpuffen und tatsächlich dafür Sorgen, dass die Fehler, die in den vergangenen Jahren an den Deutschen Unis und Hochschulen gemacht wurden, endlich berichtigt werden. Sicherlich ein frommer Wunsch, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass immer mehr Studierende nicht mehr bereit sind, die Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, und Leistungsfixierung der meisten Bachelor-Studiengänge kommentarlos hinzunehmen. Ich habe selbst viel zu viele Seminare in hoffnungslos überfüllten Seminarräumen über mich ergehen lassen müssen, um nicht gemerkt zu haben, dass jahrelang an den falschen Stellen gespart wurde. Mein abgebrochenes Soziologiestudium ist auch dadurch verschuldet, dass ich keine Lust mehr auf Zuhören aus dem Garten des Institutes hatte.

In diesem Sinne: