Es war einmal in Kopenhagen…

Am gestrigen Samstag versammelten sich 50.000 – 100.000 Menschen (die Schätzungen gehen wie immer recht weit auseinander) im sonnigen und winterlich-schönen Kopenhagen, um anlässlich der COP ihren Unmut kundzutun und die Regierungschefs dieser unseren Welt zum Handeln zu bewegen.

Ich war eine von ihnen. Hier also ein vollkommen subjektiver Überblick über mein Demo-Wochenende:

Der Beweis!

Der Beweis!

1. Hinfahrt

Was ich nicht empfehlen kann: Nachts um 4 eine Stunde am Hamburger ZOB stehen. Es war recht kalt und ich wurde von einigen merkwürdigen Gestalten angesprochen. Nach einiger Zeit sprach ich einen “grün aussehenden” Menschen mit großen Kopfhörern an, der sich tatsächlich als wartender Grüner herausstellte – was ein Zufall. Also warteten wir gemeinsam. Nach und nach kamen mehr und mehr Menschlein hinzu und so froren wir zusammen.

Um Viertel nach Fünf, eine Stunde, nachdem ich am ZOB angekommen war, fuhr ein Bus vor und ein fröhlich winkender Jan Philipp Albrecht sprang heraus. Die Reise konnte also losgehen. Bis zur dänischen Grenze schaffte ich es sogar, ein bißchen zu schlafen. Auf der Fähre nach Dänemark gabs dann nen wirklich großen Kaffee und ich war halbwegs wach.

Besonders schön war es, als Jan uns die letzten Stunden nach Kopenhagen mit einer CD voller Klimaschutz-Lieder erfreute, die er geschenkt bekommen hatte. Irgendwie schaffte ich es sogar, währenddessen einzuschlafen, ein Anhaltspunkt dafür, wie unfassbar müde ich gewesen sein muss.

Entgegen unserer Befürchtungen wurden wir übrigens überhaupt nicht kontrolliert – weder an der dänischen Grenze noch während der Einfahrt nach Kopenhagen. Dabei hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn jemand Jans CD konfisziert hätte. ^^

2. Kopenhagen

Um halb elf schmiss uns die Busfahrerin direkt am Tivoli aus dem Gefährt. Unsere Gruppe machte sich sogleich auf den Weg in Kopenhagens Innenstadt, wo gerade die “Human Flood“- Aktion von FoE stattfand. Bei herrlichem Sonnenschein konnte man sich über Teilnehmermangel nicht beklagen. Unsere Gruppe teilte sich in Untergruppen auf, meine ging praktischerweise erstmal einen heißen Kakao trinken. Unbedingt nötig bei winterlichen Temperaturen und SEHR lecker. Allerdings auch recht teuer. Dafür mit formidablen Schokokeksen als Beigabe.

wärmt

wärmt

3. Die Demo

Gegen Mittag ging es dann langsam richtig los. Immer mehr Demo-Teilnehmer versammelten auf dem Platz, an dem der Zug starten sollte. Irgendwann verlor ich in der Menge den Überblick, glücklicherweise konnte man sich aber an den zahlreichen Fahnen und Flaggen orientieren. Ich wühlte mich also vor zum “grünen Block”, wo ich dann auch bis zum Ende der Demo blieb.

man sammelt sich

man sammelt sich

Bevor der Protestzug losgehen konnte, mussten erstmal sehr viele Reden gehalten werden. Währenddessen standen wir Demo-Teilnehmer etwas dumm in der Kälte herum und froren durch. Ein oder zwei Ansprachen weniger wären auch voll ok gewesen. Aber nun denn. So hatten Nachzügler halt noch eine Stunde länger Zeit, sich am Startpunkt einzufinden. Nach Ende der Reden wurden nacheinander die teilnehmenden Organisationen dazu aufgefordert, sich in Bewegung zu setzen. So marschierten wir also in “Blöcken” hintereinander weg. Bei strahlendem Sonnenschein ging es an den Sehenswürdigkeiten der dänischen Hauptstadt vorbei insgesamt 6 km hin zum Konferenzcenter. Auch hier hätte es durchaus der ein oder andere Kilometer weniger sein können. Während des ca. 3-stündigen Marsches wurde es dann dunkel und dementsprechend noch kälter.

einmal quer durch Kopenhagen

einmal quer durch Kopenhagen

Die Demo selbst war sehr spaßig. Ich habe weit weniger gefroren, als ich befürchtet hatte. Anscheinend hatte ich die richtige Anzahl von Schichten angezogen. Von den Ausschreitungen und Festnahmen habe ich gar nichts  mitbekommen, erst später beim Abendessen, als in der Pizzeria unserer Wahl ein dänischer Newssender darüber berichtete. “Unser” Block war von all dem anscheinend weit weg, friedlich und guter Stimmung.

Nach dem Ende des Demo-Zuges sollte es eigentlich noch eine Abschlusskundgebung geben, der ich allerdings nicht mehr beiwohnte. Hunger und der Wunsch nach einem Sitzplatz waren einfach stärker. Da wir auf keinen Fall auf die überfüllte Metro am überfüllten Bahnhof warten wollten, beschlossen wir, eine Bushaltestelle zu suchen. Nach einem etwas längeren Fussmarsch fanden wir auch eine, leider fuhr der angekündigte Bus nicht, sodass wir noch einige Zeit durch die eisige Kälte laufen mussten, um zur nächsten Metrostation zu gelangen. Mein Dank gilt an dieser Stelle D., ohne seinen Stadtplan wären wir wirklich verloren gewesen.

4. Die Rückfahrt

Nach der lang ersehnten Essensaufnahme (so viel Spaß hat Junk-Food-Essen auch schon lange nicht mehr gemacht) ging es für meine “Bezugsgruppe” zurück ins Hostel – für mich ging es direkt zum Kopenhagener Hauptbahnhof, da wir um halb neun die Rückfahrt nach Hamburg antreten wollten. Bis wir dann tatsächlich loskamen, dauerte es noch einige Zeit, da wir noch auf Nachzügler warten mussten. Völlig erschöpft und gerädert kam der Bus um 3.20 Uhr in Hamburg an, ich wollte nur noch in mein Bett. Die Fahrt war körperlich wirklich sehr anstrengend, wenig Schlaf macht sich halt doch bemerkbar. Die Demo an sich, die Menschen, die ich kennengelernt und wieder getroffen habe und nicht zuletzt die Schönheit der Stadt Kopenhagen machen aber vieles wieder wett.

Fazit:

Ich würde es jederzeit wieder tun.

Auch wenn ich nicht glaube, dass unser Protest irgendetwas für die Verhandlungen bewirkt hat, so glaube ich doch, dass es wichtig und richtig ist, sich auch mit solchen Aktionen für den Kampf gegen den Klimawandel einzusetzen.

Und ich weiß jetzt auch, dass ich unbedingt noch mal “in Ruhe” nach Kopenhagen muss, die Stadt ist wirklich tarumhaft schön.

Wintersonne

Wintersonne

Kreuzberg liegt in Kopenhagen

Kreuzberg liegt in Kopenhagen

Für alle, die an inhaltlichen Informationen zur COP und an den Hintergründen der Demo interessiert sind: hier und hier gibts mehr zum Thema

Weitere Fotos findet man unter anderem hier .

Sehr gut auch der Demo-Ticker der taz.

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed.
You can leave a response, or trackback from your own site.

4 Responses to “Es war einmal in Kopenhagen…”

  1. [...] Über die Teilnahme unserer Gruppe an der Demo in Kopenhagen gibt es hier ein Filmchen (weitere finden sich auf der youtube-Seite von Robert) und einen Blogeintrag von justanotherfemaleblogger. [...]

  2. Rebecca21zM sagt:

    If I were you I would like to share such superior stuff like this good topic utilizing the article submit.

  3. home loans sagt:

    It is great that we are able to get the home loans moreover, it opens completely new possibilities.

  4. casino fr sagt:

    Blog is great with all city information with good images casino fr

Leave a Reply